Sorgerecht bei Trennung und Scheidung

Nach einer Trennung bzw. Scheidung der Ehepartner verbleibt die elterliche Sorge für die ehelichen Kinder grundsätzlich bei beiden Elternteilen gemeinsam.

Die Kindeseltern haben jedoch beide die Möglichkeit, jeder für sich das alleinige Sorgerecht zu beantragen.

Eine Übertragung der elterlichen Sorge auf einen Elternteil kommt jedoch nur in Frage wenn die Eltern nicht in der Lage sind gemeinsame Entscheidungen für ein minderjähriges Kind zu treffen. In diesem Fall kann das Familiengericht einem Elternteil das alleinige Sorgerecht übertragen.

Entscheidende Kriterien für die Entscheidungsfindung des Gerichts sind die Bindungen des Kindes an den jeweiligen Elternteil, das soziale Umfeld (Freunde, Schule etc.) und die Aufrechterhaltung dieser Bindungen (Kontinuitätsprinzip) sowie andere Kriterien. Das wichtigste Kriterium für alle Entscheidungen im Kindschaftsrecht ist dabei immer das Kindeswohl.

Möglich ist es auch, das sogenannte Aufenthaltsbestimmungsrecht zu beantragen. Dieses Aufenthaltsbestimmungsrecht ist ein Teilbereich der elterlichen Sorge und beinhaltet das Recht, zu entscheiden, wo das Kind lebt.

 

Streitendes Paar 1

Entziehung des Sorgerechts

Streitendes Paar 2

Artikel 6 des Grundgesetzes ist die verfassungsrechtliche Grundlage für das primäre Erziehungsrecht der Eltern. Einem Einschnitt in die Erziehungszuständigkeit der Eltern kann demnach nur unter strengen Voraussetzungen stattgegeben werden. Diese Voraussetzung, unter denen unter Umständen und im Einzelfall ausnahmsweise den Kindeseltern das Sorgerecht entzogen und auf das Jugendamt übertragen werden kann, sind:

  • erhebliche Erziehungsdefizite beider Elternteile,
  • die ungünstigen Entwicklungsbedingungen des Kindes und
  • eine konkrete Gefährdung des Kindeswohls.

Umgangsrecht bei Trennung und Scheidung

Grundsätzlich hat jedes Kind ein Recht auf Umgang mit beiden Elternteilen und sowohl Vater als auch Mutter sind zum Umgang mit dem Kind verpflichtet und berechtigt.

Leben die Eltern des minderjährigen Kindes getrennt und das minderjährige Kind bei einem der Elternteile, kann der andere Elternteil grundsätzlich Kontakt zu dem Kind einfordern und dies gegebenenfalls auch mit Hilfe des Familiengerichts durchsetzen. Entscheidendes Kriterium ist wie immer das Kindeswohl. Konkrete Ausgestaltung erfährt das Umgangsrecht durch die Bestimmung von Besuchszeiten (z. B. 14-tägiger Wochenendrhythmus). Wie das Umgangsrecht gestaltet werden kann, wenn ein Elternteil weit weg oder gar im Ausland lebt, ist stets im Einzelfall zu klären. Zu bedenken ist auch inwieweit Umgangskosten, also Kosten die durch den Umgang mit dem Kind anfallen (Fahrt- und Reisekosten, Einrichtung eines Kinderzimmers, Spielzeug etc.) ersetzt werden können.

Seit dem Jahre 2013 können Männer, die zwar biologischer Erzeuger aber nicht rechtlicher Vater sind, auch dann Kontakt zu ihrem Kind sowie Auskunft über dessen persönliche Verhältnisse verlangen, wenn noch keine enge persönliche Bindung zwischen leiblichem Vater und Kind besteht. Voraussetzung ist, dass seitens des Vaters ein ernsthaftes Interesse an dem Kind besteht, und die Kontaktaufnahme bzw. das Auskunftsgesuch dem Kindeswohl nicht widerspricht.

Streitendes Paar 3
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