Das Trennungsjahr

Das Trennungsjahr ist die gesetzliche Voraussetzung zur Scheidung einer Ehe. Das heisst, dass es ohne Trennungsjahr auch keine Scheidung gibt. Informieren Sie sich bei uns über:

  • welche Veränderungen ergeben sich,
  • welche finanziellen Besonderheiten sollten Sie beachten und erfahren Sie,
  • ob es unter Umständen verkürzt werden kann.

Wir klären die folgenden Fragen

Warum das Trennungsjahr?

Das Eherecht hat im deutschen Familienrecht immer noch einen besonderen Status. Ehescheidungen oder Onlinescheidungen unterliegen daher strengen Regeln und können erst dann vollzogen werden, wenn dein Scheitern der jeweiligen Ehe nachgewiesen wurde.Das sogenannte “Schuldprinzip“ wurde 1976 vom “Zerrüttungsprinzip” abgelöst. Es gibt also keinen “Schuldigen” im Eherecht mehr.Das Trennungsjahr soll unüberlegte und voreilige Scheidungen verhindern und den “Scheidungswilligen” eine neue Chance verschaffen. Aus diesem Grunde sieht das Gesetz eine einjährige “Trennung auf Probe“ vor, das sogenannte Trennungsjahr, in dem sich die Eheleute darüber klar werden sollen, ob sie die Scheidung oder Onlinescheidung wirklich vollziehen oder verheiratet bleiben möchten. Nur nach Ablauf des Trennungsjahres geht das Familiengericht von der endgültigen Auflösung der Lebensgemeinschaft aus. Die Ehe kann geschieden werden.

Ist eine Scheidung oder Onlinescheidung auch ohne ein TJ möglich?

In besonderen Härtefällen, zum Beispiel bei dauernder Gewalt durch den Ehepartner gegenüber dem Partner oder Kindern, kann eine Scheidung auch ohne ein vorausgehendes Trennungsjahr sofort vollzogen werden. Bei einer solchen Härtefallscheidung handelt es sich jedoch immer um Einzelfallentscheidungen. Oftmals müssen laufende Strafverfahren abgewartet werden, so dass nicht immer ein Zeitvorteil gegenüber einem normalen Scheidungsverfahren gegeben ist.

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Das Jahr der Trennung ist nicht automatisch der Beginn der Scheidung, sondern lediglich die Voraussetzung dazu, die Scheidung einreichen zu können.

Was Sie im Trennungsjahr erledigen sollten

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Für viele Scheidungsbeteiligten ist das Trennungsjahr eine völlig unnötige Verzögerung bei der Scheidung. Es kann aber auch sinnvoll genutzt werden: Wir von Scheidung4u empfehlen Ihnen, im Trennungsjahr über folgende Punkte nachzudenken:

  • Folgesachen klären: Um die eigentliche Scheidung nach dem Trennungsjahr zu beschleunigen, ist es praktisch, sich schon jetzt einvernehmlich über Angelegenheiten wie Unterhalt, Sorgerecht und Vermögensangelegenheiten zu einigen. Wenn Sie das selber mit Ihrem Ex-Partner nicht hinbekommen, stehen wir Ihnen jederzeit mit fachanwaltlichem Rat zur Seite.
  • Versicherungsstatus überprüfen: Die Familienversicherung endet drei Monate nachdem die Scheidung rechtskräftig wurde. Daher empfehlen wir eine frühzeitige Kontaktaufnahme mit Ihrer Krankenversicherung.
  • Vermögensverhältnisse dokumentieren: Je nach Vertrauenswürdigkeit des Ehepartners ist es ratsam, wichtige Unterlagen, wie beispielsweise Gehaltsabrechnungen, Versicherungsverträge oder Papiere zur Altersvorsorge sowie Unterlagen über Konten, Depots und sonstige Geldanlagen, vorab zu dokumentieren oder zu kopieren, damit später keine Informationen unterschlagen werden können.

Wann startet das Jahr der Trennung?

Das Jahr der Trennung startet zum Zeitpunkt der Mitteilung der Trennung. Der Trennungswunsch sollte also offen kommuniziert und dokumentiert werden.

Wichtig: Eine Trennung ist auf verschiedene Arten möglich.

Mehr dazu: Dokumentieren Sie den Zeitpunkt zum Beginn des Trennungsjahr schriftlich, am besten per Einschreiben an den Ex-Partner, wenn die Trennung nicht einvernehmlich stattfindet. In solchen Fällen muss die Trennung oftmals vor Gericht bewiesen werden.Zieht einer der beiden Ehepartner aus der ehelichen Wohnung aus, ist ein solcher Beweis einfach und braucht nicht extra dokumentiert zu werden.

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Wir von Scheidung4u empfehlen Ihnen über einen sogenannten Trennungsvertrag nachzudenken Auch ein Anwaltsschreiben an den Ex-Partner zu Beginn der Trennungszeit kann hilfreich sein. Sprechen Sie uns gerne an.

Regeln im Trennungsjahr

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Da die Beweislast für das Trennungsjahr beim Scheidungswilligen liegt, sichern Sie sich ab, besprechen Sie die „Trennung von Tisch und Bett“ und lassen Sie dies von beiden Eheleuten schriftlich bestätigen.

Die Regeln im Trennungsjahr sind denkbar einfach. Die Scheidungsparteien dürfen keine häusliche Gemeinschaft mehr miteinander bilden. Damit das Jahr der Trennung vor Gericht auch als Trennungsjahr angesehen wird, müssen bestimmte Verhaltensregeln eingehalten werden. Beim Familiengericht gelten die Eheleute nur dann als getrennt lebend, wenn die „Trennung von Tisch und Bett“ nachvollziehbar durchgeführt wurde.Am einfachsten ist der Auszug eines Ehepartners. Dadurch wird die häusliche Gemeinschaft sofort aufgelöst.Ein Auszug, und damit eine häusliche Trennung, ist allerdings nicht zwingend notwendig. Laut Gesetz ist eine „Trennung unter einem Dach“ möglich, bei der beide Eheleute in der ehelichen Wohnung verbleiben. Die Trennungssituation muss dann allerdings klar geregelt sein und beide Partner müssen komplett getrennt wirtschaften.Auch geteilte Räume und gemeinsame Aktivitäten sind schwierig:

  • Gelegentliche gemeinsame Aktivitäten sind in Ordnung. Besonders wenn sie in Zusammenhang mit der Wahrnehmung des Umgangsrechts stehen. Das Gleiche gilt auch für Besuche.
  • Die Räumlichkeiten innerhalb der gemeinsamen Wohnung müssen getrennt werden. Küche und Bad dürfen natürlich weiterhin zu verschiedenen Zeiten geteilt werden.

Unterhaltsansprüche im Trennungsjahr

Ab dem ersten Tag der Trennung steht dem wirtschaftlich schlechter gestellten Ehepartner nach dem Grundsatz der ehelichen Solidarität ein sogenannter Trennungsunterhalt bis zur Scheidung zu. Dieser finanzielle Unterhaltsanspruch sollte rasch geklärt werden. Der Trennungsunterhalt wird nur dann gezahlt, wenn er der Ex-Partner wirksam in Verzug gesetzt wurde. Ansonsten kann der Trennungsunterhalt nicht rückwirkend beansprucht werden. Trennungsunterhalt kann natürlich auch ohne konkrete Berechnung freiwillig gezahlt werden.

Berechnung des Trennungsunterhalts?

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Der Trennungsunterhalt wird in der Regel nach der 3/7-Regel errechnet, das heißt, 3/7 des unterhaltsrechtlich relevanten Einkommens des Besserverdienenden gehen an den Ex-Partner.

Das relevante Einkommen für den Trennungsunterhalt berechnet sich aus:

  • dem Nettoeinkommen sowie eventuell vorhandenen Wohnwertvorteilen
  • Zinseinkünften
  • Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung
  • Steuererstattungen und allen sonstigen Einkünften.

Abzuziehen sind vorhandene Belastungen wie:

  • Kreditverpflichtungen
  • Kindesunterhalt
  • bestimmte Versicherungen
  • 4 % des Bruttoeinkommens für Verpflichtungen in der privaten Altersvorsorge.

Der Trennungsunterhalt kann natürlich auch aussergerichtlich geregelt werden. Ein kompletter Verzicht auf Trennungsunterhalt ist auch möglich, allerdings nur dann, wenn er nicht zu Lasten der Sozialkassen erfolgt.


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Kindesunterhalt im Trennungsjahr

Bei gemeinsamen Kindern bleibt das gemeinsame Sorgerecht in aller Regel auch bei Trennung oder Scheidung bestehen. Der Partner, der nicht mit den Kindern zusammenlebt, ist zur Zahlung von Kindesunterhalt verpflichtet. Auch hier besteht der Anspruch ab dem Tag der Trennung, muss jedoch wie beim Trennungsunterhalt geltend gemacht werden.

Steuerliche Veranlagung im Trennungsjahr

Eheleute, die zusammen leben, können wählen, ob sie ihre Einkünfte getrennt oder gemeinsam versteuern möchten. In dem Jahr der  Trennung bleibt die Wahlmöglichkeit zwischen getrennter und gemeinsamer Veranlagung weiterhin bestehen.

Kann das Trennungsjahr verkürzt werden?

Das Jahr der Trennung kann grundsätzlich nicht verkürzt werden. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Scheidung einvernehmlich von den Eheleuten beschlossen wurde oder nicht. Wenn sich die Eheleute jedoch über den Trennungszeitpunkt völlig einig sind, gibt es eventuell Gestaltungsmöglichkeiten. Sprechen Sie uns gerne an.Eine Scheidung vor Ablauf des Trennungsjahrs ist nurmöglich beim Fall der „unzumutbaren Härte“. Eine solche Härte muss dabei in der Person des Ehepartners begründet liegen. Hierbei handelt es sich jedoch immer um Einzelfallentscheidungen.
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Was passiert nach dem Trennungsjahr?

Bei einer einvernehmlichen Scheidung kann bereits etwa acht Wochen vor Ablauf des Trennungsjahres die Scheidung eingereicht werden. Es ist dann kein weiterer Beweis für das Scheitern der Ehe notwendig, da das Gericht aufgrund der Zustimmung beider Partner „unwiderlegbar vermutet, dass die Ehe gescheitert ist“ (§ 1566 Absatz 1 BGB).Wenn einer der Eheleute einer Scheidung nicht zustimmen möchte, kann sich die nötige Trennungszeit in der Theorie auf drei Jahre verlängern. Eine sofortige Scheidung ist nur dann möglich, wenn der scheidungswillige Partner das Gericht nach einem Jahr Trennungszeit überzeugt, dass eine Wiederaufnahme der Ehe ausgeschlossen ist. Es ist jedoch inzwischen vor Gericht der Regelfall, dass eine Ehe nach Ablauf des Trennungsjahres dann auch geschieden wird, selbst wenn der Ex-Partner die Zustimmung verweigert.
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